CBD bald als Betäubungsmittel deklariert? Mögliche Chancen und Probleme einer solchen Einstufung

Obwohl Produkte mit dem Inhaltsstoff Cannabidiol, kurz CBD, seit einigen Jahren in ihrer Beliebtheit steigen und mittlerweile in Apotheken, Drogerien, Supermärkten und verschiedenen Online-Shops erhältlich sind,  ist die rechtliche Einordnung umstritten. Die EU-Kommission tendiert nun dazu, CBD als Betäubungsmittel einzustufen, was die Lage zusätzlich verkompliziert. Welche Folgen hätte eine solche Einstufung?

CBD-haltige Öle, -Kapseln und Co. wurden bisher von den meisten Anbietern als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben. Ein Großteil der angebotenen Produkte fällt jedoch unter die Novel-Food-Verordnung der EU. Erst wenn Cannabidiol als neuartiges Lebensmittel zugelassen wurde, erlangen CBD-haltige Produkte die Verkehrsfähigkeit. Dementsprechend wurden bisher zahlreiche Produkte mit Cannabidiol illegal vertrieben. Während die quasi auch dem Nichts erwachsene CBD-Branche um exakt jene Zulassung kämpft, damit sie ihr Geschäft legal weiterführen kann, vertritt die EU-Kommission völlig überraschend eine neue Position: Sie beruft sich auf das Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel der Vereinten Nationen (UN) von 1961. Dort wurde Cannabis als Betäubungsmittel klassifiziert und wie folgt definiert: Der Ausdruck «Cannabis» bezeichnet die Blüten- oder Fruchtstände der Hanfkrautpflanze (ausgenommen die Samen und die nicht mit solchen Ständen vermengten Blätter), denen das Harz nicht entzogen worden ist, gleichgültig, wofür sie verwendet werden. Auf natürliche Weise gewonnenes CBD wird aus den fruchttragenden und blühenden Spitzen der Hanfpflanze extrahiert und kann somit als Betäubungsmittel gewertet werden.

Dabei erfüllt CBD die klassischen Merkmale von Betäubungsmitteln nicht. So führt die WHO an, dass Cannabidiol den mentalen Zustand nicht verändert und keine berauschende oder psychoaktive Wirkung hat. Außerdem kann die Substanz weder missbraucht werden, noch abhängig machen. Mögliche Nebenwirkungen sind laut der Weltgesundheitsorganisation minimal.

Sollte die EU an ihrer aktuellen Auffassung festhalten und CBD dennoch als Betäubungsmittel einstufen, kann der Stoff nicht gleichzeitig als Lebensmittel zugelassen werden. Dies würde vermutlich das wirtschaftliche Aus der CBD-Branche bedeuten. Außerdem wäre eine solche Einstufung ein massiver Schritt gegen den weltweiten Trend zur Entkriminalisierung von Cannabis.

CBD wird bisher vor allem zur Selbstmedikation beworben. Viele Nutzer nehmen CBD-Produkte zu sich, um verschiedenste Beschwerden zu lindern. Der Inhaltsstoff soll gegen Schlafbeschwerden, Ängste, Schmerzen,  Entzündungen, Anspannung und innere Unruhe, Epilepsie und vielerlei mehr helfen. Falls CBD zukünftig als Betäubungsmittel zählt, dürfte beispielsweise CBD Öl nur noch ärztlich verschrieben werden, vorausgesetzt, dieses wird überhaupt zur medizinischen Anwendung zugelassen.

Hier bietet sich eine Chance für Menschen, die auf CBD angewiesen sind, um Linderung zu erfahren. Wird CBD als Arznei eingestuft, können CBD-haltige Mittel nämlich unter Umständen bei den Krankenkassen erstattungsfähig werden. Bisher mussten die oftmals recht teuren CBD-Präparate aus eigener Tasche gezahlt werden. Dr. Peter Kolba, Jurist und Obmann des Verbraucherschutzvereins in Österreich, bemängelt schon lange die fehlende Bereitschaft zur Kostenübernahme und kämpft seit Jahren leidenschaftlich dafür, THC- und CBD-haltige Produkte leichter zugänglich zu machen. Er leidet selbst an einer Polyneuropathie und hat am eigenen Leib erlebt, wie es ist,  wenn nur Mittel aus Cannabis für ausreichende Linderung sorgen können.

Allerdings dürfen Betäubungsmittel nur dann verschrieben werden, wenn der beabsichtigte Zweck nicht auf andere Weise erreicht werden kann. Deshalb ist bislang davon auszugehen, dass Patienten CBD-haltige Produkte nur in Ausnahmefällen erhalten würden. Nämlich dann, wenn herkömmliche Medikamente versagen oder zu viele schwerwiegende Nebenwirkungen mit sich bringen.

Derzeit sind die CBD-Produkte auf dem Markt von unterschiedlicher Qualität. Die Verbraucherzentrale warnt, dass bei Kontrollen immer wieder Produkte mit erhöhten THC-Werten gefunden wurden. Einige seien für den Verzehr durch Menschen ungeeignet oder sogar gesundheitsschädlich. Eine Einstufung als Betäubungsmittel würde den Markt regulieren und die Qualität der Produkte besser gewährleisten können. Darüber hinaus würden CBD-Produkte nicht mehr, wie bislang,  mit nicht einhaltbaren Wirksamkeitsversprechen beworben werden. Die Wirkung von CBD auf den menschlichen Körper ist nämlich noch nicht abschließend geklärt. Einige Studien konnten zwar positive Effekte von CBD auf den menschlichen Organismus feststellen, es handelt sich jedoch nicht um ein Allzweck-Wundermittel, als welches es so häufig von Anbietern angepriesen wird. Somit könnte die neue Einstufung der EU-Kommission für mehr Sicherheit und Transparenz sorgen.

Es gilt jedoch auch zu bedenken, dass Verbote und strengere Regularien häufig zu einem Aufblühen des Schwarzmarktes führen. Sind CBD-Produkte nicht mehr so leicht zugänglich, ist davon auszugehen, dass beispielsweise Schmerzpatienten aus Verzweiflung illegale Wege beschreiten, um den Wirkstoff zu erhalten, der ihnen Linderung verschafft. Die auf dem Schwarzmarkt vertriebenen Produkte werden in der Regel nicht auf ihre Qualität geprüft und können möglicherweise ernsthafte Schäden anrichten.

Abschließend muss erwähnt werden, dass unter Umständen natürliches und synthetisches CBD rechtlich verschieden bewertet werden wird. Synthetisches Cannabidiol ist eine künstliche Nachbildung von CBD, die im Labor gewonnen wird. Aus pharmazeutischer Sicht unterscheiden sich synthetisches und natürliches CBD nicht signifikant voneinander. Da in dem Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel, auf das sich die EU-Kommission beruft, aber ausschließlich auf die Hanfkrautpflanze eingegangen wird, fällt lediglich natürliches CBD in die Kategorie Betäubungsmittel. Dementsprechend wäre es möglich, dass synthetisch hergestelltes CBD doch als Novel Food zugelassen werden könnte. Was das für die CBD-Branche bedeutet, die in erster Linie natürliches CBD vertreibt, ist noch ungewiss.

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2021-02-03T13:30:29+01:00
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